Hallihallo, da bin ich wieder!
Mein Abenteuer im Norden Kanadas begann mit einem zweieinhalbstündigen Flug von Vancouver nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon Territory. An dieser Stelle ein paar Funfacts :) Der Yukon hat etwa 33000 Einwohner, also weniger als meine Heimatstadt Meppen, auf einer Fläche von 482.443 km². Zum Vergleich: Niedersachsen hat 7,7 Mio. Einwohner auf 47.618 km². Außerdem gibt es doppelt so viele Elche wie Menschen :D

Dementsprechend sieht es hier auch aus. Die Grundstücke der meisten Menschen sind riesig und liegen mitten im Wald. Viele haben einen eigenen Gemüse- und Obstgarten und natürlich ein großes Gewächshaus um die kurze Sommersaison etwas zu verlängern. So verbrachte ich also zwei Wochen auf genau so einem Grundstück. Ich arbeitete dort etwa fünf Tage die Wochen mehr oder weniger 5 Stunden lang im Garten und konnte dafür umsonst wohnen und essen. Die anderen Bewohner der Farm sind Jenna und ihr Mann Trevor, die beide im Flugwesen arbeiten, Jennas Vater Brian, die zwei Hunde Bela und Nyx, die Katze Seth und ein paar heranwachsende Hühner. Brian sagte einmal: Hier im Yukon ist es als würde man die Zeit um mindestens dreißig Jahre zurückdrehen. Er kenne sogar Leute, die ohne Strom und fließendes Wasser irgendwo mitten im Wald in einer Hütte leben.








Hier ein kleiner Tagesablauf: gegen halb 9 klingelte der Wecker, ich machte mich fertig und frühstückte ein wenig. Dann ging es mit der Arbeit los, ab und zu mit einem Spaziergang mit den Hunden. Meistens hatte ich aber im Garten zu tun: Himbeersträucher schneiden, Beete umgraben, Gemüse einpflanzen, Laub sammeln (ja, das wird hier im Frühling gemacht, da der erste Schnee schon vor den Blättern fällt), Reste verbrennen und so weiter und so fort. Gegen Mittag habe ich mir meistens Reste vom vorigen Abendessen warm gemacht. Dann wurden noch die restlichen Arbeiten erledigt und oft hatte ich noch Zeit ein bisschen fern zu sehen und dann hab es Abendessen. Jenna ist eine super Köchin und ihr macht es auch Spaß, so gab es Köstlichkeiten wie selbstgemachte Nudeln, gegrillte Kartoffeln und Gemüse, selbstgemachte Pizza, Spaghetti Squash und und und, natürlich immer mit Rücksicht auf mich Vegetarierin :) Später am Abend wurde dann noch die eine oder andere Kriminserie geguckt und schon wieder war ein Tag vorbei.
An meinen freien Tagen war ich dann in Whitehorse oder bin hiken gegangen. Auf den Wegen bin ich meistens keiner Menschenseele begegnet und konnte einfach nur die scheinbar endlose Natur genießen. Genauso genoss ich auch endlich mal wieder ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bett zu haben!
Aber damit war schon schnell wieder Schluss, als ich früher als gedacht nach Dawson City aufbrach, auf den Spuren des Gold Rushs. Unterwegs war ich mit Mario und Raphael, die vorher durch Alaska gefahren waren und mich dann netterweise im Auto mit nach Dawson und dann bis runter nach Vancouver mitnahmen. Danach fahre ich mit Mario nach Vancouver Island, aber dazu kommen wir noch.
Zuerst einmal fuhren wir nach Dawson, etwa 8 Autostunden von Whitehorse entfernt. Und dazwischen gibt es auch nichts, außer endlose Wälder, Berge, Seen und das ein oder andere Tier, so sahen wir auch endlich unseren ersten Bären in Kanada, was für eine Aufregung. Der Schwarzbär rannte aber sofort von der Straße in den Wald als wir näher kamen und so blieb das Beweisfoto leider aus. Aber dies sollte nicht der letzte Bär sein. Dawson City war super! Leider war noch das meiste geschlossen, aber wir schlenderten dennoch durch die Stadt, die selbst schon quasi ein Museum ist und machten einen Hike um den Blick auf die Umgebung zu genießen. Stadt ist vielleicht nicht das richtige Wort, Dawson ist eher ein kleines Dorf, mit ca 1500 Einwohnern (übrigens die zweitgrößte "Stadt" im Yukon). Die Straßen sind nicht geteert und auf den Straßen war so gut wie gar nichts los, aber der Schein trügt, sobald wir einen der zahlreichen Pubs und Bars betraten, wurde uns klar wo die ganzen Leute sind. So ziemlich jeder Einwohner schien sich in den kleinen Pubs das ein oder andere Bierchen zu gönnen und dem schlossen wir uns erstmal an. :D Dort trafen wir auch einen Schweizer, der vor einigen Jahren nach Dawson ausgewandert ist. Auf die Frage warum, antwortete er nur, dass das Leben und die Leute hier oben so schön entspannt seien. Wenn man mal 10 Wochen auf ein Ersatzteil fürs Auto warten muss, dann ist das halt so! Alles klar ;)

Nach zwei kalten Nächten im Zelt machten wir uns wieder auf den Weg nach Whitehorse, sahen erneut ein paar Bären und verbrachten eine Nacht bei einem Couchsurfing-Host. Dann ging es weiter in Richtung Süden. Wieder einmal durch die faszinierendste Natur. Und auch die Nächte im Zelt wurden von mal zu mal wärmer. Nach 3000 km Fahrt und vier Nächten sind wir dann in wieder in Vancouver angekommen, froh ein paar Tage nicht stundenlang im Auto zu sitzen!
Meine letzten drei Wochen verbringe ich also auf Vancouver Island und Umgebung. Ich genieße die letzten Wochen, freue mich aber auch unglaublich doll auf zu Hause!